Schiffsbeteiligungen
Schiff ist nicht gleich Schiff!
Schenkt man dem negativen Journalismus
über Schiffsbeteiligungen Glauben, dann ist die Branche am
Ende, das angelegte Geld untergegangen! Leider fehlt vielen Journalisten
der in der Schifffahrt notwendige Tiefgang, um gewisse Recherchen
durchzuführen und zu erkennen: Schiff ist nicht gleich Schiff!
Krisen treffen die Weltwirtschaft
immer wieder. Der Börsencrash 1929, die Asienkrise 1997,
die Internet-Blase und der Zusammenbruch des "Neuen Marktes"
im März 2000 wie auch der 11. September 2001. All diese Krisen
haben wir irgendwie überstanden. Nur die Journalisten sehen
ganz klar, dass wir diese Krise nicht überstehen.
Wo befinden wir uns eigentlich?
Ist die Talsohle schon erreicht, oder fehlt es an gesicherten
Kenntnissen? Wann und wie stark setzt in welchen Wirtschaftssektoren
der Aufschwung wieder ein? Solche Fragen lassen sich nicht mit
Sicherheit beantworten. Seherische Fähigkeiten haben weder
Marktexperten noch Wissenschaftler, die sich mit diesen Fragen
beschäftigen. Da es keine verlässlichen Erkenntnisse
gibt, können keine Vorhersagen gemacht werden, wann der Umschwung
erfolgen wird. Viele Faktoren deuten darauf hin, dass im Verlauf
des Jahres 2010 ein Aufschwung erfolgen wird.
Auch die BRIC-Staaten (Brasilien,
Russland, Indien, China) haben Einbußen hinnehmen müssen.
So hat China bis auf weiteres Abschied von einem zweistelligen
gesamtwirtschaftlichem Wachstum genommen. Für das Jahr 2009
rechnen der IWF und die Weltbank mit einem Plus von rund 6,5 Prozent.
Die chinesische Regierung geht von einem Anstieg von 8 % aus.
Der Abschwung der Weltwirtschaft
hat sich auch auf den Weltseeverkehr ausgewirkt. Rund 95 % des
Welthandels werden auf dem Seeweg abgewickelt. Nach Angaben der
Welthandelsorganisation WTO war der globale Handel 2008 nur um
2 Prozent gestiegen. Für 2009 geht die WTO von einer Verminderung
von 9 % aus. Damit ist aber nicht das Ende der Globalisierung
eingeläutet, denn die richtet sich nicht nach unternehmerischem
Wachstum, sondern ist das Ergebnis des technischen Fortschritts
und der geht weiter.
Das durchschnittliche Wachstum des
Weltseehandels lag in den letzten drei Jahrzehnten bei 3,1% p.a.
Diese Werte werden in 2009 nicht erreicht, aber bereits für
2010 werden den Prognosen zu Folge diese Werte wieder erreicht
sein. Der gegenwärtig rückläufige Bedarf an Transportraum
oder Schiffstonnage bringt Nachfrage und Angebot aus dem Gleichgewicht.
Wie man der Fachpresse entnehmen kann liegen gegenwärtig
rund 500 Schiffe (überwiegend Containerschiffe) auf. Dies
entspricht etwa 1 Prozent der Welthandelsflotte, die insgesamt
rund 51.000 Schiffe umfasst.
Das momentane Überangebot an
Schiffstonnage drückt die Transportpreise bei Linienreedereien
und damit auch das Charterratenniveau. Für weiteren Druck
sorgt der Zulauf an Neubautonnage. Aber: Es werden gegenwärtig
diverse Bauaufträge wegen restriktiverer Kreditvergabepolitik
der Schiffsbanken
storniert oder geändert. Für zusätzliche Entlastung
der Angebotsseite sorgen Abwrackungen alter oder unwirtschaftlicher
Schiffe.
Das Fachblatt THB Deutsche Schiffahrts-Zeitung
meldete in seiner Ausgabe vom 2.Juni 2009 einen Abwrackboom bei
Schiffen. Von Januar bis April wurden nach einer Studie schon
366 Frachter mit einer Gesamttonnage von 11,9 Millionen Tonnen
zur Verschrottung veräußert. Das sind mehr als im gesamten
Jahr 2008 zusammen. Schätzungen zu Folge beläuft sich
der zum Abwracken anstehende Bestand weltweit auf mehr als 600
Schiffe, zitiert der THB einen Vertreter der Abbruchindustrie.
In Alang sei die Zahl der Abbruchplätze verdoppelt worden,
berichtet der THB in der Ausgabe vom 2. März. Und: "Die
Außerdienststellung von Alttonnage zur Verschrottung hält
unvermindert an." Das ist zweifellos eine gute Nachricht
für Reeder und Kapitalanleger, weil dieser Trend die Raten
tendenziell wieder festigt.
Bulkschifffahrt
Fast 38% der Bulk Carrierflotte
sind über 20 Jahre alt, dies entspricht rund 27% der Transportkapazität.
Gut jedes vierte Schiff ist 25 Jahre oder älter. Diese Alterstruktur
zeigt das Verschrottungspotenzial in diesem Marktsegment auf.
Auf Grund des hohen Charterratenniveaus in den vergangenen Jahren
wurden nur sehr wenige Schiffe verschrottet. Mit dem sehr starken
Rückgang der Charterraten im Verlauf des Jahres 2008 stieg
im 4. Quartal Verschrottungsaktivität weltweit deutlich an.
Insgesamt wurden im 4.Quartal 2008 90 Schiffe mit einer Transportkapazität
von rund fünf Mio. tdw zum Abbruch gegeben. Dieser Trend
setzt sich in 2009 fort. Diese Entwicklung und das Ausbleiben
weiterer Neubaubestellungen dürften das Tonnagewachstum mittelfristig
reduzieren und damit zur Verbesserung der Beschäftigungssituation
für Bulk Carrier beitragen.
Chinas beachtliches Konjunkturpaket
in Höhe von 585 Milliarden USD hat die weltweite Nachfrage
nach Rohstoffen wie z.B. Kohle und Eisenerz wieder beschleunigt.
Die Folge dieses steigenden Rohstoff-imports ist eine gestiegene
Nachfrage nach Transportkapazitäten. Der Bulkermarkt weist
aktuell steigende Frachtraten in den meisten Größenklassen
aus. Der Baltic Dry Index, der die Frachtraten großer Massengutfrachter
widerspiegelt, hat sich in den letzten 2 Monaten fast verdoppelt.
Dies zeigt deutlich, dass eine Investition im Bereich der Bulkschifffahrt
für Anleger interessant sein kann.
Tankschifffahrt
Die Charterraten in der Tankschifffahrt
haben sich sehr lange dem allgemeinen Abwärtstrend widersetzt.
Erst in den letzten Wochen haben die Raten nachgegeben. Doch es
gibt Marktsegmente, die sich trotzdem auf einem auskömmlichen
Niveau bewegen. Die Charterraten von Spezialtankschiffen für
Flüssiggase oder andere Petrochemikalien sind unverändert
gut. Im Jahr 2008 fuhren die Tankerreeder ihr bisher bestes Charterraten-Ergebnis
ein. Dass die Charterraten der verschiedenen Tankergrößen
aktuell schwächer tendieren, ist eine völlig normale
Entwicklung, die jedes Jahr zum Ende der Heizperiode stattfindet.
Nach einer kurzen Verschnaufpause zieht der Markt wieder an und
über das Jahr gesehen bewegen sich die Charterraten auf einem
guten Niveau.
Ein Strukturwandel des Marktes trägt
dazu bei, dass die Nachfrage nach Transportkapazität weiterhin
sehr groß sein wird. Mit dem Ausbau sehr großer Raffineriekapazitäten
in Indien und dem Aufbau von Raffinerien in China ändern
sich die Lieferströme für Rohöl und Ölprodukte.
Die Wege der Tanker werden länger, das Verhältnis von
zurückzulegenden Meilen für eine Tonne Rohöl wird
größer. Das wird sich positiv auf die Beschäftigung
der Tanker auswirken. So rechnen diverse Makler bereits zur Mitte
dieses Jahres wieder mit steigenden Charterraten. Dies zeigt deutlich,
dass eine Investition im Bereich der Tankschifffahrt für
Anleger interessant sein kann.
Containerschifffahrt
Auf dem Containermarkt wird die
Lage zunächst noch einige Zeit angespannt bleiben, da viele
Neubauten vor der Ablieferung stehen. Das Analysehaus Clarkson
Research, London, hat seine Transportprognose weiter gesenkt,
wie die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ) berichtet. Für das
Jahr 2009 steht einem Nachfragewachstum von nur 3,1 Prozent ein
Flottenwachstum von 12,3 Prozent gegenüber. Den größten
Kapazitätsüberhang haben Containerschiffe von über
8.000 TEU mit einer Quote von 171 Prozent. Für die Segmente
zwischen 1.000 und 2.999 TEU und unter 1.000 TEU liegt die Quote
bei 17 bzw. 12 Prozent - Werte, die normalerweise kein Anlass
zu Besorgnis seien.
Prof. Manfred Zachcial vom Bremer
Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) führte
in einem Vortrag zur Marktsituation aus, dass der Weltseehandel
proportional zum Weltwirtschaftswachstum ansteigt. Da der Containerverkehr
aber überproportional zunimmt, ist mittelfristig wieder von
einer steigenden Hafenumschlagsleistung auszugehen. Für die
Jahre 2010 bis 2013 wird schon wieder mit einem Anstieg von etwa
6 Prozent pro Jahr gerechnet. Dies zeigt deutlich, dass eine Investition
im Bereich der Containerschifffahrt für Anleger interessant
sein kann.
Schiffe schaffen Werte! Der Markt der Schiffsbeteiligungen
bleibt interessant, auch wenn uns einige Journalisten vom Gegenteil
überzeugen wollen.