"Ruhe bewahren, kein Vermögen
vernichten!"
Mit diesem Appell an die Schiffsfinanzierenden
Banken und an die Schifffahrt selbst wird Horste Rahe, Chef der
Deutschen Seereederei in einer News des THB (Täglicher Hafen-bericht)
vom 27.03 2009 zitiert. Dies ist der wohlwollende Ratschlag eines
Insiders im Bereich der Schifffahrt, der auf eine Erfahrung von
mehr als 40 Jahren zurück blicken kann. Diesen Aufruf zur
Besonnenheit sollten sich in der gegenwärtigen Situation
viele Banken zu Herzen nehmen, aber scheinbar vergeblich!
Die HypoVereinsbank hat diesen Aufruf mit voller
Wucht ignoriert und ist im Gegenteil bemüht, Einschiffsgesellschaften
in die Insolvenz zu treiben.
In einem speziellen Fall, den ich
im Folgenden darlegen möchte, um den Irrsinn von Finanzierungsentscheidungen
in der gegenwärtigen Phase des Marktes zu erläutern,
ist die HypoVereinsbank verwickelt! Dieser Fall ist kein Einzelfall,
weil es noch andere Schiffe gibt, die das gleiche Problem mit
der HypoVereinsbank haben, aber darüber schreibe ich zu gegebener
Zeit. Es geht um eine Schiffsbeteiligung aus dem Jahre 1997, das
Containerschiff MS "CHAMPION", ein Schiff mit einer
Tragfähigkeit von 2880 TEU aus dem Hause GEBAB.
Das Schiff entwickelte sich im Zeitablauf
zum wirtschaftlichen Outperformer für die Anleger und war
bereits Ende 2006, nach nur neun Jahren, bankenseitig entschuldet.
Dies entsprach einem Tilgungsvorsprung für den Kapitaldienst
von zweieinhalb Jahren. Eine stille Beteiligung des Bereederers
in Höhe von TEUR 2.505 wurde aus Gründen der Zinsersparnis
durch einen weiteren Bankkredit abgelöst. Auch dieser Kredit
wurde planmäßíg bei der HypoVereinsbank bedient
und valutiert momentan noch mit USD 1,3 Mio.
Das Containerschiff MS "CHAMPION"
ist eine Schiffsbeteiligung aus dem Jahre 1997, ein Schiff mit
einer Tragfähigkeit von 2880 TEU aus dem Hause GEBAB. Das
Schiff entwickelte sich im Zeitablauf zum Outperformer und war
bereits Ende 2006, nach nur neun Jahren, bankenseitig entschuldet.
Dies entsprach einem Tilgungsvorsprung für den Kapitaldienst
von zweieinhalb Jahren. Eine stille Beteiligung des Bereederers
in Höhe von TEUR 2.505 wurde durch einen weiteren Kredit
abgelöst. Auch dieser Kredit wurde plan-mäßíg
bei der Hypo-Vereins-Bank bedient und valutiert momentan noch
mit USD 1,3 Mio.
MS "CHAMPION" liegt seit
November ohne Beschäftigung auf der Reede von Singapur. Da
in der gegenwärtigen Marktsituation nicht absehbar ist, wann
das Schiff wieder in eine Charter kommt, die halbwegs kostendeckend
ist, wurde seitens des Emissionshauses die Frage an die HypoVereinsbank
gestellt, ob sie der Schiffsgesellschaft in dieser schwierigen
Situation mit einem Überbrückungskredit aushelfen würde.
Die Antwort der Bank war ein klares "NEIN".
Dies muß man sich auf der
Zunge zergehen lassen! Ein Schiff mit einem Schrottwert von rd.
USD 3,0 Mio. ist nur mit USD 1,3 Mio. verschuldet, gleichwohl
ist die Bank nicht gewillt, ein weitergehendes Risiko einzugehen!
Lächerlich! Normalerweise hat ein 12 Jahre altes Schiff einen
Wert, der zwischen 40 % und 50 % der historischen Investitionskosten
liegt. Bei einer Gesamtinvestition von TEUR 42.524 in 1997 läge
der realistische Verkaufspreis heute zwischen 20 und 24 Mio. USD!
Aber die gegenwärtige Marktsituation liegt deutlich unter
diesen Werten. Aktuell wären für dieses Schiff etwa
8 bis 10 Mio. USD zu erzielen. Ein Wert, der zwar deutlich unter
dem Marktwert des Schiffes im "Normalmarkt" liegt, aber
immer noch deutlich über der Verschuldung bei der finanzierenden
Bank!
Gleichwohl ist die HypoVereinsbank
nicht bereit auch nur einen Cent Kredit zu gewähren, mit
der Folge, dass seitens der Kommanditisten der Gesellschaft Nachschüsse
geleistet werden müssen. In der Gesellschafterversammlung
vom 25.03.2009 haben sich die Gesellschafter des MS "CHAMPION"
mit eindeutiger Mehrheit dafür ausgesprochen, Nachschüsse
in die Gesellschaft zu leisten. Eine Verwertung des Schiffes hätte
zu der völlig verrückten Lösung geführt, dass
in der gegenwärtigen schlechten Marktsituation der viel zu
geringe Verkaufserlös nicht ausreichen würde, um die
Steuern der Anleger auf den aufzu-lösenden Übergangsgewinn
zu Zahlen. Der Übergangsgewinn beträgt bei diesem Schiff
96%.
Das Finanzierungskonzept für
den Erhalt des Schiffes geht von extrem pessimistischen Annahmen
aus. Für die Jahre 2009 und 2010 werden gar keine Einnahmen
unterstellt und für 2011 nur in Höhe der Schiffsbetriebskosten.
Ab 2012 werden wieder Einnahmen unterstellt, die auch einen Kapitaldienst
für die Anleger zulassen. Für das Konzept werden rd.
EURO 4,3 Mio., dies entspricht etwa 22% des Kommanditkapitals,
benötigt. Das Geld wird in Raten bis 2010 eingezahlt und
als erstes wird die HVB davon abgelöst, um wenigstens diesen
Störfaktor von Bord zu haben. Das Nachschußkapital
wird ab 2012 mit einem Vorabgewinn von 10% der eingezahlten Summe
vergütet. Dieser Betrag unterliegt der Tonnagesteuer. Mit
dieser besonnenen Vorgehensweise erhalten sich die Anleger ihr
Kapital und sind nicht mehr der Unberechenbarkeit der HVB ausgesetzt.
Das Verhalten der HVB in diesem
Fall steht den Aussagen ihrer Vorstände diametral entgegen.
In einem Interview mit der Welt am Sonntag vom 29.März 2009
in der Rubrik Finanzen, hat der Journalist Karsten Seibel dem
Vorstand der HypoVereinsbank, Herrn Willibald Cernko die Frage
gestellt: "Stehen Sie aktuell bei der Kreditvergabe auf der
Bremse?" Darauf die Antwort von Herrn Cernko: "Im Gegenteil,
wir wollen Kredite vergeben, nicht nur zur Baufinanzierung. So
haben wir unseren Beratern für Geschäftskunden bereits
ein Kreditvolumen von einer Milliarde Euro zum Abruf bereitgestellt
und kooperieren intensiv mit Anbietern öffentlicher Förderprogramme
wie der KfW. An unserer Vergabebereitschaft hat die Finanzkrise
nichts geändert."
Zugegebenermaßen ist Herr
Cernko Vorstand der HVB für den Bereich Privatkunden, deswegen
könnte seine Aussage nur auf seinen Tätigkeitsbereich
beschränkt sein, obwohl er von Beratern für Geschäftskunden
spricht. Aber dann muss man sich die Frage stellen, ob die HVB
unterschiedliche Geschäftspraktiken für die einzelnen
Tätigkeitsbereiche hat. Allerdings widerspricht dem eine
Pressemitteilung aus dem Hause der HVB selbst, betreffend das
Geschäftsjahr 2008, nachzulesen der der Homepage der HVB.
Dort wird der Sprecher des Vorstandes, Dr. Theodor Weimer, zitiert:
"Darüber hinaus wäre unser Anspruch, eine führende
Firmenkundenbank in Deutschland zu sein, ohne ein kundenorientiertes
Investment Banking mit einem direkten Kapitalmarktzugang nicht
einzulösen. Ich bin davon überzeugt, dass wir gut gerüstet
sind, um das vor uns liegende schwierige Jahr 2009 erfolgreich
zu meistern."
Man könnte meinen, dass diese
Bank eigentlich richtig gut aufgestellt sein sollte, aber das
Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die Erfahrungen, die die Gesellschafter
und die Geschäftsführung im Falle des Containerschiffes
MS "Champion" mit der HVB machen mussten, hinterlässt
einen sehr bitteren Beigeschmack und die Worte des CEO der HypoVereinsbank,
Dr. Wolfgang Sprißler, bekommen einen ganz neuen Sinn: "Der
neue Auftritt unseres Hauses verdeutlicht zweierlei: Ersten, dass
die HypoVereinsbank mit ihrer Erfahrung und ihrer Kompetenz weiterhin
als eine der führenden Banken im deutschen Markt agiert.
Und zweitens, dass wir zu einer schlagkräftigen europäischen
Bankengruppegehören."
Die Schlagkräftigkeit der HVB
haben die Anleger durch die Nackenschläge, die sie im Zusammenhang
mit der Finanzierungsanfrage erhalten haben, deutlich am eigenen
Leib verspürt. Wenn dieses Beispiel Schule machen sollte,
dann dürfte man vielleicht sogar die Erfahrung und Kompetenz
anzweifeln. Eines ist aber sicher, mit dieser Vorgehensweise stellt
man sich nicht als führende Bank dar.
Wenn dieses Negativbeispiel bei
den Schiffsfinanzierenden Banken Schule macht, dann kommt der
Warnung von Herrn Rahe vor den Folgen möglicher Zwangsvollstreckungen,
ausgelöst durch ein falsches Bankenverhalten eine besondere
Bedeutung zu. Diese Schiffe gehen zu einem extrem niedrigen Preis
ins Ausland. Nutznießer wären beispielsweise griechische
Reeder, die sich schon immer durch ein gutes Gefühl für
Märkte ausgezeichnet haben und nur auf solche Schnäppchen
warten. Mit den billig erworbenen Schiffen könnten sie dann
den deutschen Reedern wieder Konkurrenz machen, wenn die Weltkonjunktur
wieder angesprungen ist.