Doppelhüllentanker und EU-Bestrebungen
II. Teil
Immer mehr Öltanker auf der Ostsee
In unserer NEWS
vom 31.3.2003 haben wir auf die Bestrebungen der EU hingewiesen,
unsichere Tanker aus dem Verkehr zu ziehen. Durch diese begrüßenswerten
Bestrebungen kommt insbesondere im Rahmen der Ostsee - Schifffahrt
einem bestimmten Schiffstypen besondere Bedeutung zu, nämlich
den Tankern mit hoher Eisklasse. Über diese Neubau - Schiffe,
die mit besonderen Ausstattungs-merkmalen versehen sind, setzen
wir unsere NEWS-Reihe zum Thema Doppelhüllentanker fort!
Der russische Energiekonzern Transneft hat seit
Januar 2003 seine Öl-Lieferungen an den lettischen Verladehafen
Ventspils eingestellt. In Ventspils, der lettischen Kleinstadt mit
dem strategisch wichtigen Verladehafen an der Ostsee, sind sich
die Betreiber sicher: Russland will den Transport des schwarzen
Goldes von den Quellen Sibiriens bis in die Öltanks im Westen
kontrollieren - und zwar allein.
Seit der Eröffnung des neuen russischen Ölterminals
in Primorsk bei St. Petersburg im Dezember 2001 waren die Lieferungen
in die zweieinhalb Millionen Einwohner zählende prowestliche
Baltenrepublik stetig zurück gegangen. Doch seit Transneft
den Ölhahn der 550-Kilometer-Pipeline vom westrussischen Polozk
an den lettischen Verladehafen gänzlich zugedreht hat, befindet
sich der Ölhafen Primorsk in einem deutlichen Aufwind, was
die Verladekapazitäten betrifft. Für Russland ist dieser
Hafen das Tor zur westlichen Ölwelt, weil dieser Hafen die
kürzeste Fahrtroute zu den westlichen Abnehmern bietet.

Seit 1995 haben sich die Öltransporte aus
Ostseehäfen mehr als verdoppelt. Ölpipelines aus den vorhandenen
Ölfeldern in Sibirien und von der nordrussischen Timan-Petjora-Provinz
wurden nach Primorsk verlängert. Lukoil plant derweil bereits
im nahe gelegenen Vysotsk einen weiteren Verladehafen für Öl,
Ammoniak und Methanol mit einer Kapazität von 10 Millionen
Tonnen. Ölexport ist für die russische Wirtschaft immer
wichtiger geworden. Nicht die Förder-, sondern die Exportkapazität
war bislang ein Nadelöhr.
Durch den Ausbau der neuen Häfen ist jedoch
ein neues Problem entstanden, welches mit den Zielen der EU im Zusammenhang
mit diesen Häfen akut geworden ist. Der Ausbau der Häfen
erfordert für den Abtransport des Rohstoffes Öl einen
Schiffstyp, der den witterungsbedingten Eigenheiten der Ostsee gewachsen
ist, insbesondere im Finnischen Meerbusen, an dem der Ölhafen
Primorsk liegt.
Ab Ende November ist dieser Teil der Ostsee mit
Eis bedeckt. Die finnischen und russischen Eisbrecher können
die Fahrrinnen zu den Häfen nicht ständig offen halten.
Der finnische Seeüberwachungsdienst erlebt es häufiger,
dass unangemeldete Tanker, die Primorsk ansteuern, mehrfach im Eis
stecken bleiben und nur mit Hilfe von Eisbrechern wieder freikommen.
Eine Fahrt durch das Eis wird durch die Seeüberwachung stets
als Risiko eingestuft, da die Schiffs- und Eisbewegungen Beschädigungen
am Schiffskörper, am Ruder oder an der Schraube verursachen
können. Die Fahrten ungeschützter Tanker nach Primorsk
und zurück wird von finnischer Seite als potenziell gefährlich
für die Umwelt angesehen, so dass nicht nur Kommunikationsminister
Kimmo Sasi und Staatsminister Paavo Lipponen appellierten, Abhilfe
zu schaffen. Der Primorsker Hafen wird jährlich von etwa 140
Tankern angelaufen, über deren Sicherheitsstand nur die russischen
Hafenbehörden Kenntnis haben.
Erschwert wird die Lage dadurch, dass die Gefahreneinschätzungen
von finnischer und russischer Seite meilenweit voneinander abweichen.
2004 ist die Installation eines neuen Überwachungssystems für
den Schiffsverkehr durch den Finnischen Meerbusen abgeschlossen,
von dem Finnland eine erhöhte Sicherheit erwartet. Da die EU
jedoch plant, Tankern mit nur einem Boden das Anlaufen in EU-Häfen
zu verbieten, fürchten die finnischen Behörden gleichzeitig
ein Anwachsen des Verkehrs mit diesen Schiffen nach Russland. Die
Häfen der baltischen Länder werden sich dem Verbot anschließen.
Die russischen Hafenbehörden haben darauf
reagiert und seit dem 29 März 2003 fordert die Hafenbehörde
von St.Petersburg, dass nur noch Tanker mit mindestens Eisklasse
1B (Lloyds) den Hafen anlaufen dürfen. Schiffe mit geringerer
Eisklasse werden nur unter Auflagen in den Hafen gelassen. Dazu
gehört u.a. die Unterstützung durch einen Eisbrecher,
die aber gebührenpflichtig für das Tankschiff ist. Schiffe
ohne Eisklasse oder besondere Erlaubnis in Ausnahmefällen werden
nicht mehr in Eiskonvois nach St.Petersburg aufgenommen.
Wenn man bedenkt, dass in diesem Fahrtgebiet in
der Zeit von November bis April eine geschlossene Eisdecke bis zu
60 Zentimetern existiert, dann wird deutlich, dass der Bedarf an
Tankern mit entsprechender Eisklasse gegeben ist. Überlegt
man jedoch weiter, dass weltweit in der Klasse der Tanker von 30
- 40000 dwt (ein bevorzugter Schiffstyp für die Ostseeschifffahrt)
insgesamt 223 Tanker verfügbar sind, von denen nur "14"
die entsprechende Eisklasse besitzen, dann wird deutlich, wie groß
der Bedarf an solchen Tankern ist. Einen solchen Tanker werden wir
Ihnen in den nächsten Tagen vorstellen, mit einigen Ausführungen
zum Charterer, der durch seine bestehenden Abnahmekontrakte mit
Russland sehr interessant ist und zum wirtschaftlichen Verlauf der
Beteiligung beitragen wird.
Mehr dazu in der nächsten NEWS! |