TÜV für Fondsprodukte einer deutschen Großbank?
Wieweit soll die Verdummung der Anleger
noch gehen?
Alteingesessene
Leser unserer NEWS wissen, daß wir ein besonderes Verhältnis
zum Bankenvertrieb von Anlageprodukten haben, die nicht aus dem
Bankenbereich kommen. Zunehmend stürzen sich die deutschen
Banken auf den Vertrieb von Kapitalanlagen, die aus dem sog. "grauen
Markt" stammen, weil diese Produkte immer mehr von den
Kunden nachgefragt werden. Das Hauptproblem ist dabei jedoch die
Selektion der verschiedenen Anlagen, weil die Berater der einzelnen
Kreditinstitute zum Teil gar nicht die Fachkompetenz haben, solche
Angebote zu beurteilen. Ausschließlich das Profitdenken gibt
die Motivation!

Da kommt es
gerade recht, wenn man sich als Anlagenvertrieb vom TÜV prüfen
lassen kann, um dann Produkte mit dem vermeintlichen Sicherheitssiegel
des TÜV unters Volk zu bringen. TÜV bedeutet "Technischer
Überwachungsverein", also eine Institution, die sich mit
der Sicherheit von Autos und technischen Anlagen aller Art auseinandersetzt.
Vielleicht tun wir dem TÜV damit Unrecht, aber bis heute ist
uns der TÜV nicht direkt durch die Überprüfung von
Kapitalanlageangeboten aufgefallen. Wir kennen den TÜV durch
die Plakette am Auto und die Überwachung des Aufbaus technischer
Alagen in der ganzen Welt. Aber Fondsvertrieb und TÜV erscheinen
uns als zwei völlig verschiedene Veranstaltungen.
Das vermeintliche
Sorglospaket ist von der Commerzbank beim TÜV Süd in Auftrag
gegeben worden. Jetzt liegt ein Ergebnis vor, das erstaunlicherweise
den Beratern der Commerzbank bescheinigt, dass die Fondsauswahl
objektiv erfolgt und die Commerzbank mit dem "GÜTESIEGEL"
"geprüfte Fondsauswahl" werben
darf! Anleger sollten diesem Stempel jedoch nicht blind Vertrauen.
Fraglich ist, wie genau die Kontrolleure die Commerzbank-Berater
unter die Lupe genommen haben. Laut TÜV nahmen sechs Mitarbeiter
gerade einmal 27 Testberatungen im gesamten Bundesgebiet vor. In
welchemVerhältnis steht das zum Volumen des sog. grauen Marktes,
und der Masse der Berater, die vorhanden sind. Wie sieht das eigentlich
in Zahlen aus?
Laut Commerzbank
stehen derzeit insgesamt 38 Fonds auf den Empfehlungslisten ihrer
Berater; sechs davon, also 15 Prozent, kommen aus dem eigenen Haus.
Erstaunlich, denn satte 70 Prozent der in diesem Jahr von der Commerzbank
verkauften Fondsanteile stammen von den Töchtern Cominvest
und CGI . Hausfremde Fonds machen nur 30 Prozent aus.
Da muss die Hausmarke schon besonders gern von den Bankberatern
verkauft werden, damit solche Zahlen zustande kommen.
Von objektiver
Beratung kann allerdings nicht mehr die Rede sein – das fällt
in den Bereich Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Das Problem
liegt aber im Vertrieb von Fonds über Banken! Wenn man bedenkt,
dass zwei von drei Fonds über Banken verkauft werden, kann
man nur hoffen, dass nicht noch mehr Banken auf diesen Marketingzug
aufspringen und evtl. Geld vernichten, weil mit vermeintlich objektiver
Beratung auf Anlegerjagd gegangen wird.
Eigentlich
wäre es wünschenswert, wenn sich die Banken wieder auf
ihr Kerngeschäft konzentrieren würden! Aber leider ist
der Kunde mit Finanzierungswunsch oft nur noch ein "lästiges
Übel"! Eine vernünftige Finanzerung des Mittelstandes
durch die Banken wäre in der gegenwärtigen Situation sicherlich
sinnvoller als eine TÜV-Plakette. |