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Die ausführliche Kapitalanlage Meldung

Wieviel Größe hat der Wahn?

Unter dieser Überschrift haben wir für Sie zur allgemeinen Information einen Kommentar in der
Zeitschrift HANSA 11/2006
geschrieben, den wir zur Anlegerinformation für wichtig halten

Die Abwandlung einer Textzeile von Herbert Grönemeyer fiel mir ein, als ich von einem denkwürdigen Besuch in Bremerhaven las, der nicht einmal zwei Monate zurück liegt. Die Rede ist natürlich vom größten Containerschiff der Welt: MS "EMMA MAERSK", mit einer Länge von 397 m, einer Breite von 56,4 m und einem Tiefgang von 16 m wahrlich ein Riese, der mit seinen 108.908 PS mehr als 13.000 Standard-Container mit bis zu 27 Knoten Geschwindigkeit über die Weltmeere transportieren kann. Das ist sicherlich nicht besonders erwähnenswert, weil der Bau immer größerer Schiffe zur Gewohnheit geworden ist.

Nachdenklich wurde ich durch eine Pressemeldung, dass eigens für dieses Schiffe die Fahrrinne der Weser auf 600 m verbreitert werden musste, damit das Schiff im Strom von Schleppern gewendet werden kann. Dafür wurden mal eben 425.000 Kubikmeter Sand aus der Weser gebaggert, um solch eine Wendestelle zu schaffen. Auch das war nicht weiter schlimm, konnte doch die Weser aufwärts gelegene Hafenstadt Brake diesen Sand sehr gut zum Ausbau des eigenen Hafens verwenden.

Bemerkenswert ist an diesem Geschehen eine Fragestellung, die sich zwangsläufig ergibt: Sind die bestehenden Containerhäfen dem Ansturm dieser Riesen überhaupt gewachsen? Eine Frage, die für eine ganze Anzahl namhafter Containerhäfen so nicht zu bejahen ist. Am Beispiel von Hamburg und Bremerhaven wird deutlich, dass zumindest eine Voraussetzung in beiden Häfen nicht erfüllt wird, der nötige Tiefgang, um solche Schiffe voll beladen aufnehmen zu können, weil Elbe und Weser nicht über die notwendigen 16 Meter Tiefe verfügen, die ein MS "EMMA MAERSK" voll beladen benötigt. Weiterer Schwachpunkt, der zwar in Hamburg und Bremerhaven erfüllt wird, die Länge der Ausleger der Containerbrücken. Mit einer Schiffsbreite von 56,4 m stoßen derzeit viele Häfen mit den vorhandenen Containerbrücken an die Grenze des technisch machbaren, weil die wasserseitige Ausladung nicht ausreicht solch einen Riesen zu entleeren.

Eine mögliche Folge dieser Entwicklung könnte eine komplette Umstrukturierung des Marktes sein, in deren Folge es zu einer Neuordnung vorhandener Liniendienste kommen kann, deren endgültige Entwicklung noch gar nicht absehbar ist. Doch bevor ein Blick auf die Zukunft des Containerverkehrs geworfen wird, werfen wir lieber einen Blick zurück in die Vergangenheit von Riesenschiffen.

Bereits Mitte des 19.Jahrhunderts plante und verwirklichte der englische Ingenieur Isambard Kingdom Brunel das seinerzeit größte Schiff der Welt, die Great Eastern. Dies war ein doppelwandig (!) gebautes Stahlschiff mit einer Länge von 211 m und einer Breite von 25,3 m. Dieses Schiff war seiner Zeit weit voraus, weil es genügend Kohle bunkern konnte, um damit einmal die Welt zu umrunden. Aber dieses Schiff brachte seinen Besitzern kein Glück und wurde nach vielen verschiedenen Einsätzen abgewrackt. Der Reigen lässt beliebig fortsetzen und man kommt sehr schnell zur jüngeren Vergangenheit.

Zwei Faktoren beeinflussten den Bau immer größer werdender Tanker. Zum Einen waren es die Tonnagekosten, mit denen Rohöl-Tanker bei der Passage des Suezkanals belastet wurden, zum Anderen kam es in Folge des Sechs-Tage-Krieges, den Israel 1967 insbesondere gegen Ägypten führte, zur Schließung des Suezkanals auf unabsehbare Zeit. Ab diesem Zeitpunkt mussten die Warenströme, insbesondere das notwendige Rohöl für die Versorgung des energiehungrigen Westens, um das Kap der guten Hoffnung in Südafrika transportiert werden. Aus dieser Notwendigkeit heraus wurden immer größere Tanker konstruiert und gebaut. Die ULCC-Tanker (=Ultra large crude carrier) erreichten mit 565.000 tdw ihren Superlativ im Jahr 1980. Mit einer Länge von 458,45 m und einer Breite von 68,8 m war der MT "Jahre Viking" der größte Tanker der Welt, aber nach nur zwei Reisen mussten die Eigner feststellen, das solch ein riesiges Schiff wirtschaftlich nicht mehr einsetzbar ist und nahmen das Schiff aus dem Verkehr. Fortan diente es als schwimmendes Öllager und die Bestellgrößen für Tanker gingen rapide zurück.

Natürlich besteht ein Größenunterschied zwischen einem ULCC-Tanker und einer Emma Maersk, obwohl der auch nicht mehr so gewaltig ist. Doch was lehrt uns dieser kleine historische Ausflug? Irgendwann ist eine Grenze erreicht, an der sich der Wechsel von der Vernunft zum Größenwahn vollzieht. Mit dem Überschreiten dieser Grenze können die erhofften Effekte aus immer größeren Containerschiffen ins Gegenteil umschlagen und lassen die Schiffe unproduktiv werden. Dies lässt sich sehr einfach verdeutlichen.

Economies of scale nennt man den Effekt, wenn die Kosten für den Einsatz eines Schiffes auf eine größere Anzahl von geladenen Containern verteilt werden können. Dieser Grundgedanke der Ökonomie endete aus heutiger Sicht im Bau des MS "Emma Maersk" und seiner geplanten Schwesterschiffe. Der Einsatz solcher Riesen ist aber auch mit Problemen verbunden, wie eingangs dargestellt, die zu gegenläufigen Kosteneffekten führen können. Skaleneffekte auf der Basis zunehmender Schiffsgrößen lassen sich nur dann nutzen, wenn das Schiff bei hoher Containerauslastung möglichst lange auf See ist. Dies hat zur Folge, dass die Rentabilität eines sehr großen Schiffes extrem abhängig ist vom Grad der Auslastung.

Um die Auslastung zu erreichen, können nicht mehr alle Häfen mit diesen Schiffen bedient werden, weil der Tiefgang der Seewege zu den Häfen, die Größe der Containerladebrücken und andere logistische Probleme eine Einschränkung für diese Schiffe darstellen. Die Folgeprobleme der landseitigen Infrastruktur zur Bedienung solcher Schiffe haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Rentabilität der Schiffe. Die Kostenvorteile der Größe lassen sich nur dann erzielen, wenn die Be- und Entladung der Schiffe schnell vonstatten geht und die Vorteile der Schiffe auf See nicht im Hafen wieder zunichte gemacht werden.

Der Trend zu den großen Schiffen ist ungebrochen, aber die zuvor aufgezeigten Probleme ziehen eine Umstrukturierung des Marktes nach sich. Bisher fahren die Liniendienste im sog. Multiportsystem, d.h. die Linienschiffe laufen mehrere Ladungs- und Löschhäfen an. Dies wird für die großen Containerschiffe in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören, weil das Multiportsystem dem Hubfeedersystem weichen wird. Die großen Containerschiffe werden nur noch einen Lade- und einen Löschhafen anlaufen. Von diesen Häfen aus erfolgt die Zulieferung und Weiterverteilung der Container mit Feederschiffen in sämtlichen Größenordnungen. Das Hubfeedersystem wird ganz neue Liniendienste auf den kleinen und mittleren Distanzen (Intermediate Services) hervorbringen, von denen wir heute noch gar nichts wissen.

Ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit der Finanzierung solcher Schiffe muss unbedingt noch angesprochen werden. Es gibt weltweit nur wenige Linienreedereien (Oligopol), die das Know-How besitzen, solche Riesenschiffe sinnvoll einzusetzen. Deshalb können bei der Finanzierung solcher Schiffe über das klassische deutsche KG-Modell Gefahren auftreten, deren sich der Anleger bewusst sein sollte. Die Abhängigkeit von Oligopolunternehmen kann in nachfrageschwachen Zeiten ein vermeintlich gutes Investment ins Gegenteil verkehren. Kleinere Schiffe bieten da mehr Flexibilität.

Fazit:

Schiffe in der Größenordnung eines MS Emma Maersk werden nicht aufzuhalten sein, obwohl verschiedene namhafte Analysten zu dem Ergebnis kommen, dass die Grenzen zwischen Sinn und Wahnsinn weiterer Tonnagevergrößerungen erkennbar sind. Bei aller Euphorie für Größe sollten solche Riesenschiffe tunlichst nicht von Emissionshäusern finanziert werden, weil die damit verbundenen wirtschaftlichen Gefahren hoch sind.


 

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