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Turbotilgungsmodelle bei Schiffen - wirklich rentabel für Anleger?

Die Kreativität der Branche scheint keine Grenzen zu kennen, wenn man sich anschaut, in welchen neuen Verpackungen Schiffe auf den Markt gebracht werden. Bislang gab es für mich den Begriff "Turbo" in der Hauptsache bei Schiffsmaschinen, weil dort der klassische Turbolader zum Einsatz kommt und natürlich findet man den Begriff vorzugsweise auf einem bekannten deutschen Sportwagen. Aber der Begriff Turbotilgung im Zusammenhang mit Schiffen macht neugierig und regt zum Nachdenken an. Natürlich ist eine Turbotilgung, also eine deutlich schnellere Tilgung von Schiffshypotheken, auf den ersten Blick begrüßenswert, weil dies zum Wohle des Anlegers sein sollte. Aber ist es das wirklich?

Um die Auswirkung der Turbotilgung richtig einzuschätzen ist es notwendig die Kosten-struktur einer Schiffsbeteiligung im Betrieb zu kennen. Drei Kostenblöcke werden aus den laufenden Chartereinnahmen bedient. Circa 50% der Charterrate decken den Kapitaldienst, also Zins und Tilgung der Schiffshypothek ab. Weitere 25% bis 30% decken die Schiffs-betriebskosten einschließlich der Kosten der Gesellschaft selbst und 20% bis 25% stehen für Ausschüttungszwecke an die Anleger zur Verfügung. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Schiffsbeteiligung im Normalfall in 12 bis 14 Jahren entschuldet.

Nach dem Erreichen dieses Zeitpunktes geht der eigentliche Spaß mit einer betriebs-wirtschaftlich gut konzipierten Schiffsbeteiligung erst richtig los, weil das zur Verfügung stehende Ausschüttungspotenzial rd. 70% bis 75% der vereinbarten Charterrate beträgt. Damit sind bei normalen Marktverhältnissen Ausschüttungen möglich, die nicht selten zwischen 20% und 30% des gezeichneten Kommanditkapitals betragen.

An dieser Stelle wird bereits deutlich, welche Wirkung eine vorzeitige Tilgung der Schiffshypothek für den Anleger hat! Bei Laufzeiten der heutigen Beteiligungen von 15 bis 20 Jahren bringt jedes gewonnene tilgungsfreie Jahr eine erhebliche Renditesteigerung. Um diesen Effekt deutlich zu steigern, ist das Modell der Turbotilgung geschaffen worden.

Im Verlauf der ersten Jahre der Beteiligung wird teilweise oder gänzlich auf Ausschüttungen an die Anleger verzichtet, stattdessen wird diese zusätzliche Liquidität in Tilgungen gesteckt. Ein simples Zahlenbeispiel verdeutlicht die Auswirkungen am einfachsten. Bei einer Charterrate von USD 28.000,--/Tag für ein Containerschiff der 4900-TEU-Klasse entfallen 20% bis 25% auf das Ausschüttungspotenzial für die Anleger. Legt man als Mittelwert 22,5% zu Grunde errechnet sich bei 360 Einsatztagen des Schiffes über einen Zeitraum von 5 ausschüttungsfreien Jahren ein Betrag von USD 11,3 Mio. Dies entspricht schon annähernd 30% der Gesamtfinanzierung eines Schiffes dieser Größenordnung, bei einem Fremdkapital-anteil von 50% ( +/- 10%) an der Gesamtfinanzierung.

Als positiver Begleiteffekt tritt eine erhebliche Zinsersparnis ein, die den Tilgungsprozess zusätzlich beschleunigt. Anhand einer Modellrechnung ergaben sich Zinseinsparungen im Verlauf der prospektierten Beteiligungsdauer von 17 Jahren in einer Größenordnung von rd. USD 6,7 Mio., eine beeindruckende Summe. Da auch aus den Zinsersparnissen Tilgungs-leistungen erbracht werden können, reduziert sich in der Modellrechnung der Zeitraum bis zur Vollentschuldung auf 9 Jahre. Die wesentlichen Eckdaten dieser Berechnung sind im folgenden Text nur kurz dargestellt, um dem Leser ein Zahlengrab zu ersparen.

Das Beteiligungsjahr und Infahrtsetzungsjahr des Schiffes ist 2006. Laut Prospekt wird die erste Ausschüttung 2008 geleistet mit 8,5%, steigend auf 19,5% im Jahr 2023 (17 Jahre). Die Gesamtrückflüsse, einschließlich der Verwertung des Schiffes nach 17 Jahren betragen rd. 220 % des Nominalkapitals, einschließlich der Kapitalrückführung. Insgesamt ein solide gerechnetes Beteiligungsangebot, bei dem die Anleger gut investiert sind.

Nun die gleiche Betrachtung bei Einsatz eines Tilgungsturbos. Das gleiche Schiff schüttet in den Jahren 2008 bis 2012 nicht aus, sondern sämtliche freien Mittel, incl. der Zinsersparnis werden in die Tilgung gesteckt. In den Jahren 2013 und 2014 erhalten die Anleger ihre ersten Ausschüttungen mit jeweils 12%, im Jahr 2015 wird das Schiff komplett entschuldet und 16% werden ausgeschüttet. Ab 2016 erhalten die Anleger Ausschüttungen zwischen 22% und 25% bezogen auf die Nominaleinlage. Daraus errechnen sich Gesamtrückflüsse, einschließlich der Verwertung des Schiffes nach 17 Jahren, von rd. 280% des Nominalkapitals, einschließlich der Kapitalrückführung. Insgesamt ein solide gerechnetes Beteiligungsangebot, bei dem der Anleger richtigen Spaß mit seiner Investition haben wird.

Die Frage, ob der Tilgungsturbo für den Anleger wirklich rentabel ist, lässt sich aus den Zahlen des Modellfalls eindeutig bejahen, zumindest in der theoretischen Berechnung. In der Praxis besteht jedoch die Gefahr, dass bei den gegenwärtigen Marktverhältnissen zu teuer eingekaufte Schiffe über den Tilgungsturbo erst einmal marktgängig gemacht werden müssen. Im Prinzip ist dagegen auch nichts einzuwenden, wenn es dem Emissionshaus gelingt, das Beteiligungsangebot damit in kurzer Zeit resistent zu machen gegen die Einflüsse der Markt-entwicklung. Dies ist gegeben, wenn nach der Turbotilgung in einer Marktphase mit fallenden Charterraten keine Existenz bedrohenden Risiken für die Schiffsgesellschaft bestehen und der Kapitaldienst für das Schiff trotz schlechter Bedingungen bedient werden kann. Hier stellt sich dann allerdings die Frage, weshalb ein solches Beteiligungsangebot überhaupt aufgelegt wird, wenn es ohne die Turbotilgung sicherlich deutlich schlechtere Performancechancen hätte, die im Extremfall sogar den Totalverlust der Beteiligung zur Folge haben könnten.

Auf Basis der Daten des oben beschriebenen Modellschiffes lässt sich dies einfach verdeutlichen. Derzeit gibt es Angebote auf dem Beteiligungsmarkt für Containerschiffe der 4900-TEU-Klasse, die für rd. USD 57,4 Mio. eingekauft wurden. Vergleichbare Schiffe dieser Klasse werden derzeit für rd. USD 67 Mio. gehandelt, also rd. USD 10 Mio. teurer. Die erzielbaren Langfristchartern liegen aber unverändert in der Größenordnung, wie oben beschrieben. Dies bedeutet für das teurere Schiff einen sehr erheblichen Rückgang in den Ausschüttungen, weil der Mehrpreis den Tilgungseffekt der ersten 5 Jahre nahezu kompensiert.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Zinsniveau gegenwärtig steigt und eine deutliche Steigerung der Charterraten auf absehbare Zeit sicherlich nicht zu erwarten ist. Natürlich besteht seitens des Emissionshauses die Möglichkeit, dies durch eine Verschiebung der Relationen von Eigenkapital zu Fremdkapital zu Gunsten des Eigenkapitals zu kompensieren und den Turboeffekt wieder wirkungsvoll zum Einsatz zu bringen. Dies hat aber den entscheidenden Nachteil, dass später, im Falle der Vollentschuldung, wesentlich mehr Eigenkapital mit Ausschüttungen bedient werden muss. Die Folge ist eine starke Absenkung der Ausschüttungsquoten, die dann deutlich unter 20% liegen werden.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Marktakzeptanz solcher Beteiligungsmodelle mit Tilgungsturbo für den Vertrieb. Werden die Anleger solche Beteiligungsmodelle überhaupt annehmen? Bei Beteiligungsmodellen, wie in dem ersten Beispielsfall wird dies sicherlich möglich sein, wenn auch mit Schwierigkeiten. Erfahrene Schiffsanleger, die bereits positive Erfahrungen mit entschuldeten Schiffen gemacht haben, werden sicherlich eher Verständnis für ein Turbotilgungsmodell haben, als Anleger, denen die entsprechende Erfahrung fehlt. Der Erklärungs- und Überzeugungsbedarf wird sehr groß sein!
Erschwerend kommt hinzu, dass derzeit die Börse als Anlagemöglichkeit eine Renaissance erlebt, weil der Dax eine starke Performance hingelegt hat und viele Anleger wieder dem Börsenfieber erliegen. Es wird sicherlich schwer sein, solche Anleger von den Performance-Chancen eines Turbotilgungsmodells zu überzeugen, bei denen sie für längere Zeit auf Kapitalrückflüsse gänzlich verzichten müssen. Auch Beteiligungsmodelle, die als "Zwitter" konstruiert sind, d.h. nur sehr geringe Ausschüttungen zu Beginn der Laufzeit, zu Gunsten höherer Tilgungsleistungen werden da an der Sachlage nichts ändern.

Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass diese neuen Beteiligungsvarianten von den Emissionshäusern mit sehr viel Fingerspitzengefühl konzipiert werden, damit sie nicht zu Ladenhütern werden. Manchmal kann es auch besser sein, ein Geschäft einfach nicht zu machen!

 

Unsere aktuellen Empfehlungen finden Sie nachfolgend:

 

Containerschiff MS "BUXWAVE"

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Das Datenblatt zum Beteiligungsangebot MS "BUXWAVE" finden Sie hier zum Download!

 

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Produktentanker MT "KING DAVID"


Den Hauptprospekt zum Beteiligungsangebot MT "KING DAVID" finden Sie hier zum Download!

Die Ergänzung vom 17.1.2006 zum Hauptprospekt MT "KING DAVID" finden Sie hier zum Download!

Den Zeichnungsschein zum Beteiligungsangebot MT "KING DAVID" finden Sie hier zum Download!

Die Checkanalyse zum Beteiligungsangebot MT "KING DAVID" finden Sie hier zum Download!

 

 

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