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Die ausführliche Kapitalanlage Meldung

Wenn Gier Hirn frißt, ist dann noch Platz für den Anleger?

Kritische Sommergedanken zur Marktentwicklung im Bereich der Schiffsbeteiligungen
Für Sie geschrieben in HANSA 07/2005

Schiffsbeteiligungen erfreuen sich bei den Kapitalanlegern großer Beliebtheit, erweisen sie sich doch momentan als so renditestark, dass es sich keine Zeitschrift mehr leisten kann, nicht darüber zu schreiben. Interessant ist die Entwicklung der letzten Jahre im Bereich der Schiffsbeteiligungen allgemein und die Entwicklung der Preisbildung für das Wirtschaftsgut Schiff und die Charterraten im Besonderen. Deutlich tritt dies im Bereich der Containerschifffahrt zu Tage.

Nach einem Charterratentief Ende 1998, Anfang 1999 stiegen die Charterraten kontinuierlich bis Spätsommer 2000 an. Der Entwicklungszeitraum war aber zu kurz, als dass Analysten, Strategen und sog. Experten darauf reagiert hätten. Der Verfall der Charterraten in der Folgezeit bis Anfang 2002 ließ die Erinnerung an das Ratentief 98/99 wieder aufleben und hat die Analysten, Strategen und sog. Experten dazu veranlasst, sehr negativ über Schiffsbeteiligungen zu berichten.

Seit Februar 2002 haben die Schifffahrtsmärkte eine starke Performance erlebt, die Schiffsbeteiligung entwickelte sich gegenüber anderen Anlagesegmenten deutlich positiv und die vorherigen Mahner und Schwarzmaler der Branche entwickelten sich vom Saulus zum Paulus. Interessant ist die Tatsache, dass keiner der schreibenden Analysten, Strategen und sog. Experten diesen Trend vorher gesehen hat, obwohl die Anzeichen dafür nicht zu übersehen waren. Man übte sich in vornehmer Zurückhaltung, um erst einmal zu taxieren, wohin sich der Aufwärtstrend entwickelt.

Der Markt entwickelte einen Aufwärtstrend, der noch heute (Sommer 2005) anhält! Plötzlich, wenn auch mit einiger Verspätung, waren Sie da, die einstigen Kritiker! Überall konnte man fachkundig kommentiert lesen, weshalb die Nachfrage nach Containerschiffen weiter steigt, der Rohstoffmarkt boomt und die Kurs- und Zinsentwicklung so ist, wie sie ist. Diese Folgeerscheinung zeigt einmal mehr, dass fallende oder wie zuletzt steigende Charterraten und Schiffspreise den Gesetzmäßigkeiten des Marktes unterliegen und Analysten- , Strategen- oder Expertenmeinungen keinen Einfluß auf die Preisbildung haben, seien sie auch noch so fundiert. Im Gegenteil, fallende oder steigende Preise in Anlagemärkten bescheren uns Analysen und Kommentare, die diese Entwicklungen erklären und verstärken. Je länger und höher die Charterraten für Schiffe steigen um so mehr laufen wir deswegen Gefahr, weitere positive Kommentare von allerlei sog. Experten in den verschiedensten Printmedien lesen zu können. Aber brauchen wir das eigentlich?

Nein, denn diese Entwicklung birgt eine große Gefahr in sich, weil einem immer größer werdenden Leserkreis die Schiffsbeteiligung als die "eierlegende Wollmilchsau" mit ausschließlich positiven Facetten dargestellt wird. Die Folge dieser Berichterstattung ist ein gesteigerter Kaufwunsch auf Seiten potentieller Anleger und die Zahl der interessierten Anleger wird stetig größer. Außerdem bringt diese Entwicklung ein großes Problem mit sich. Das begrenzte Angebot an Schiffen, die geeignet sind, daraus Beteiligungsmodelle zu kreieren, und die unglaubliche Nachfrage nach solchen Schiffen lässt die Preise der Schiffe, egal ob neu oder gebraucht, ins astronomische steigen. An dieser Stelle beginnt heute der Drahtseilakt, auf den sich der unerfahrene Anleger einlässt, wenn er bezüglich der Risiken einer solchen Beteiligung nicht hinreichend sensibilisiert ist.

Der durch diese Berichterstattung ausgelöste Nachfragetrend der Anleger weckt leider bei einigen Anbietern von Schiffsbeteiligungen Begehrlichkeiten, die vor lauter Geldgier rationale Überlegungen verdrängen. Dies gilt aber in gleichem Maße für Anlageberater, die aus gleicher Motivation heraus ihren eigenen Vorteil in Form der Provision in den Vordergrund stellen. Der Anleger wird, mit Verlaub gesagt, ohnehin für "dumm" gehalten und sollte am Besten dem journalistisch positiv dargestellten Trend folgen, wie die Lemminge ihrem Urinstinkt folgen.

Spätestens an diesem Punkt angekommen stellt sich die Frage nach dem "Warum macht man das" ebenso eindringlich, wie die Frage nach dem "Wer empfiehlt so etwas". Beide Fragen sind einfach und schnell beantwortet, die monetären Gründe für die Emission und den Vertrieb fragwürdiger Beteiligungen sind ausschlaggebend.

Nachdem im Jahr 2004 ein großes börsennotiertes Emissionshaus mit wirklich alten Schiffen (deutlich über 10 Jahre) auf den Markt kam, stellte sich die Frage, weshalb so alte Schiffe noch als Fonds aufbereitet werden. Die Antwort auf diese Frage ergab sich bei näherer Betrachtungsweise und der Hinterfragung der beteiligten Partner von selbst. Es war ein Sanierungsfonds für eine marode gewordene namhafte Schifffahrtsgesellschaft, die in erheblichen bilanziellen Schwierigkeiten steckte. Die kürzlich erfolgte Übernahme dieser Gesellschaft durch einen namhaften Mitbewerber am Markt ist eigentlich nur eine Bestätigung dieser Tatsache. Für die Anleger des Emissionshauses, die an diesem Fonds beteiligt sind, sicherlich ein großartiger Moment, weil durch diese Übernahme ihr Engagement wesentlich sicherer geworden ist. Fragwürdig bleibt dennoch, ob das überhaupt eine Schiffsbeteiligung im klassischen Sinn war?

Ein weiteres Angebot im Bereich der Schiffsbeteiligungen führt nicht nur zum Erreichen des Zenits der Unfassbarkeit, sondern zu dessen Überschreitung! Es handelt sich um die Emission von 4 Schiffen, die in den Jahren 1975 bis 1983 gebaut wurden. Sie haben richtig gelesen, es handelt sich um bis zu 30 Jahre alte Schiffe ( in Worten: Dreißig Jahre alte Schiffe ). Auffällig ist der mehrfach im Prospekt erfolgte Hinweis auf den Rohstoffmarkt in Bereich des Schiffbaustahls! Dies führt zu der Überlegung, ob es sich bei diesem Fonds um eine Spekulation auf den Weltmarktpreis für Schiffbaustahl handelt? Denn bei den vielen prospektierten Hinweisen auf die Knappheit an Schiffbaustahl kann man nur zu dem Urteil kommen, dass dieses Angebot gar kein Schiffsfonds ist, sondern vielmehr ein schwimmendes Rohstofflager, um die Versorgung mit Schiffbaustahl in 4 Jahren zu gewährleisten!

Natürlich gibt es weitere abschreckende Beispiele, über die Anlageberater und Anleger gleichermaßen nachdenken sollten. In der Vergangenheit galt der Grundsatz, dass Schiffe circa 12 Jahre nach Ihrer Indienststellung einen Wert verkörpern, der in etwa 50 % der historischen Baukosten ausmacht. Dieser Wert hat sich auch vielfach bewahrheitet in der Nachschau. Aber durch die überhitzte Nachfrage nach Schiffen ist dieser Erfahrungswert grundsätzlich ad Acta gelegt. So werden teilweise im Bereich der Tankschiffstonnage für Secondhandschiffe mit einem Alter zwischen 5 und 10 Jahren Preise bezahlt, die über den ursprünglichen Baupreisen liegen. Aktuell wurden Anfang Juni für 9,5 Jahre alte Suezmax – Tanker (Größenklasse um 150.000 tdw) USD 69 Mio. gezahlt, obwohl die historischen Baupreise deutlich geringer waren.

Bei solchen Preisrelationen kann für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit eines überteuerten Angebotes nur eine Spekulation auf den Spotmarkt Basis für die Kalkulation der Prospektdaten sein. Das hat aber mit gestandener, solider Kaufmannschaft nichts mehr zu tun. Die Erfahrung mit den Märkten zeigt, wie schnell sich gerade Spotmärkte durch ihre extreme Volatilität in die eine oder andere Richtung bewegen. Wenn sich die Märkte aber in die falsche Richtung bewegen und Kalkulationen von Schiffsbeteiligungen auf der Annahme längerfristig hoher Spotmarktwerte basieren, dann besteht die Gefahr, dass der Anleger auf der Strecke bleibt. In einer Phase der Umstrukturierung des Marktes, weg von den Verlustmodellen hin zu den Renditebeteiligungen und der damit verbundenen Gewinnung eines ganz neuen Anlegerklientels, sind Beteiligungsmodelle der oben beschriebenen Art so überflüssig wie ein Kropf! Der Grundsatz: "Im Einkauf liegt der Gewinn" wird völlig missachtet und die Gewinnsituation liegt ausschließlich beim Emissionshaus und nicht beim Anleger. Der Hinweis, dass weniger oftmals mehr sein kann, erscheint hier angebracht, schließlich geht es um das Geld der Anleger und da sollte ein entsprechendes Verantwortungsbewusstsein Priorität haben.

copyright: Michael Rathmann

 

 


 

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