Die ausführliche Kapitalanlage Meldung
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Schiffsbeteiligungen
Die Kirche, ein Segen für
die Schifffahrt?
Der Eyjafjallajökull hilft aber auch!
Die Überschrift
ist provokant, aber diejenigen, die seit Jahren hier meine Kommentare
verfolgen, wissen, dass ich gern provokant, ironisch oder einfach
nur blödelnd über Dinge schreibe, die mir auffallen
und die mich ärgern. In den vergangenen Monaten war es die
dilettantische Berichterstattung über die Schifffahrt, die
nicht nur mich geärgert hat, sondern auch viele andere Marktkenner
und Markt-teilnehmer. Sehr nett fand ich die Definition des Dilettanten
bei wikipedia, die ich gern wiedergeben möchte, weil sie
so schön passt, oder nicht:
"Ein Dilettant ist ein Nichtfachmann,
Amateur oder Laie. Der Dilettant übt eine Sache um ihrer
selbst Willen aus, also aus privatem Interesse oder zum Vergnügen.
Dabei mag er durchaus vollendete Kenntnisse und Fähigkeiten
erlangt haben. Solange er aber die Tätigkeit nicht professionell
ausübt, um also seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, oder
eine entsprechende, anerkannte Ausbildung absolviert hat, gilt
er als Dilettant." Ein Widerspruch in sich, soweit es einige
Journalisten betrifft, finden Sie nicht? Die haben nämlich
keine vollendeten Kenntnisse und Fähigkeiten erlangt, üben
das aber trotzdem "professionell" aus, um ihren Lebensunterhalt
zu bestreiten, gleichwohl sind sie Nichtfachmann, Amateur und
wohl auch Laie zugleich. Aber bevor ich mich in semantische Überlegungen
verstricke, wende ich mich der Frage in der Überschrift zu.
Weshalb ist die Kirche ein Segen
für die Schifffahrt? Früher erhielten Schiffe in der
christlichen Seefahrt bei der Taufe den Segen für Schiff
und Mannschaft. Heute läuft das etwas anders ab, weil das
Gros der Schiffe nicht mehr hier, sondern in Fernost gebaut wird.
Die Fragestellung beantwortet sich so einfach wie trivial! Die
in meinen Augen schrecklichen Verfehlungen von Geistlichen in
Klosterschulen und anderen kirchlichen Einrichtungen sind in den
journalistischen Vordergrund gerückt, weil es "das"
Thema schlechthin ist, über das es sich lohnt, negativ zu
schreiben.
Das Motto: "Only bad news are
good news", feiert fröhliche Urständ und endlich
gibt es wieder ein Thema, worüber man sich so richtig auslassen
kann. Sicherlich ist die Berichterstattung über diese schrecklichen
Mißstände und Verfehlungen, die da in der Vergangenheit
geschehen sind und möglicherweise auch noch geschehen, dringend
notwendig und sehr wichtig für die Betroffenen, die darunter
zu leiden hatten.
Aber, jetzt kommt der Segen für
die Schifffahrt, ich freue mich über die Fokussierung des
Journalismus auf dieses Themengebiet, weil dadurch endlich die
Schifffahrt in den Hintergrund rückt und die Branche ihre
Ruhe wiederfinden kann. Und genau das tut sie im Augenblick!,
weil sich der Journalismus auf das Thema Kirche eingeschossen
hat und dadurch ein zart sprießendes Pflänzchen geschützt
wird, nämlich die sich in winzigen Schritten erholende Containerschifffahrt.
Hoffentlich kommt noch viel Thema Kirche aufs Tablett, natürlich
bis es keiner mehr hören kann und die Containerschifffahrt
entwickelt ungestört eine eigene Dynamik bei ihrer Reinkarnation.
Unterstützt wird sie dabei aber auch sehr strak vom Eyjafjallajökull-Vulkan
auf Island, der momentan absolute Oberhand in der Berichterstattung
gewonnen hat, gut so!
Völlig unbemerkt von der Journaille
der oben beschriebenen Art gibt es einen ersten Silberstreifen
am Horizont der Containerschifffahrt zu vermelden, der seit Anfang
Dezember 2009 erkennbar ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Container-Index
der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten e.V.
mit 237 Index-Punkten seinen absoluten Tiefststand erreicht. Seit
Anfang Dezember ist dieser Index kontinuierlich nach oben gestartet
und hat gegenwärtig (Stand 20.4.2010) einen Wert von 295
Punkten erreicht. Verglichen mit dem absoluten Höchststand
des Indexes von 1020 Punkten im Februar 2008, ist dies vergleichsweise
noch bescheiden, aber: "The trend is your friend". Der
aktuelle Wert beträgt nur 28,9% des Höchstwertes aus
2008, aber gegenüber dem Tiefstwert in 2009 ist er bereits
wieder um 24,4% gestiegen. Statistische Zahlen sind halt recht
geschmeidig.
Verschiedene Faktoren beeinflussen
die Containerschifffahrt positiv. Der Welthandel zieht nach längerer
Pause wieder an. Durch die enormen Treibstoffpreise sind die großen
Containerlinien dazu übergegangen, die Fahrtgeschwindigkeiten
der eingesetzten Schiffe extrem zu drosseln, sog. "super
slow steaming", mit der Folge, dass im Zuge der Termin- und
Liefertreue in den Liniendiensten mehr Schiffe eingesetzt werden
müssen, um dies zu gewährleisten. Die Folge ist eine
vermehrte Bindung von Tonnage, bei gleichzeitig steigender Nachfrage,
um die vertraglichen Verpflichtungen erfüllen zu können.
Es hat sehr viele Stornierungen bei den Neubauten gegeben, so
dass nach vorsichtigen Schätzungen etwa 30-35% der in den
Orderbüchern aufgeführten Neubaubestellungen gar nicht
mehr zur Ablieferung kommen. Leider gibt es hier keine konkreten
Zahlen, aber die derzeitigen Schätzungen decken sich mit
meinen eigenen Überlegungen, die ich Ende 2008 geäußert
habe, als ich feststellte, dass ca. 30-50% der in den Orderbüchern
verzeichneten Neubauaufträge nicht kommen werden. Damals
wurde ich belächelt, die Gegenwart hat mich eingeholt.
Ein sehr entscheidender Faktor ist
die Verschrottung von Alttonnage. Bei vergleichsweise hohen Stahlpreisen,
ausgelöst durch den schier unendlichen Stahlhunger Chinas,
werden für ältere Schiffe gute Schrottpreise bezahlt,
die viele Reeder dazu bewogen haben, alte Schiffe zum Abwracken
zu verkaufen. Die Folge ist für 2010 zum Beispiel, dass in
der Schiffs-Klasse bis 3000 TEU von einem negativen Wachstum -ich
liebe diesen Ausdruck- von bis zu 10% ausgegangen wird, weil die
zur Ablieferung anstehenden Neubauten im Flottenzuwachs der TEU-Zahlen
geringer sind, als die Tonnage, die zum Abbruch bestimmt ist.
Allein im Jahr 2009 sind Containerschiffe in dieser Klasse mit
einer Gesamt-TEU-Zahl von rd. 400.000 TEU abgewrackt worden. Für
2010 wird eine ähnlich hohe Zahl erwartet.
Durch all diese Faktoren ist eine Entspannungsphase
in der Containerschifffahrt eingetreten, die sich auch im Verhalten
der Reedereien wiederspiegelt, die vermehrt wieder Chartertonnage
an sich binden. Nach einer fast einjährigen Phase einer Einheitscharter
von USD 4.500,-- pro Tag für Schiffe von 2000 bis 3000 TEU,
werden mittlerweile wieder Charterverträge geschlossen, die
für die ersten 6 bis 12 Monate zwar immer noch in Bereichen
zwischen 5.000,-- und 5.800,-- USD pro Tag liegen, aber die Charterer
versuchen vermehrt, sich Optionen für Anschlußchartern
von 12 und mehr Monaten zu sichern und da liegt das Niveau deutlich
höher. In der Klasse um 2500 bis 2700 TEU liegen die Optionsraten
für 2011 teilweise schon bei 16.000 USD pro Tag. Natürlich
muss eine Option nicht gezogen werden, aber es ist meine vierte
Krise, die ich in der Schifffahrt mitgemacht habe und das Strickmuster
in Sachen Charterabschlüsse ist jedesmal das gleiche, wenn
die Krisenphase das Tal der Tränen durchschritten hat. Jeder
versucht seinen Vorteil solange wie möglich zu sichern und
dazu müssen Zugeständnisse an die Marktentwicklung gemacht
werden.
Ich habe die stille Hoffnung, dass
die Kirche, der Eyjafjallajökull und andere aktuelle Ereignisse
dazu beitragen, dass die Schifffahrt längere Zeit aus dem
Fokus kommt und sich in aller Stille wieder entwickeln kann. Nur
dadurch werden die Anleger in Deutschland auch allmählich
das Vertrauen in die Assetklasse Schiff zurück gewinnen,
denn langfristig hat sich das Schiff als Beimengung zu jedem Portfolio
gut entwickelt. Allerdings kommt es hier auch ein wenig auf die
Selektionskriterien einer Beteiligung an. In Sachen Schifffahrt
bin ich nach wie vor entspannt, weil die Entwicklungen unternehmerischer
Beteiligungen einfach zyklisch sind und jetzt geht es wieder Bergauf.
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