Schiffsbeteiligungen: Gibt es ein Leben nach
der Krise?
Auch wenn ich das Wort gar nicht mehr aussprechen mag,
weil es nur noch öde ist und nervt, wir befinden uns in einer
Finanzkrise. Es ist schockierend zu lesen, dass bisher acht namhafte
Manager freiwillig aus dem Leben geschieden sind, weil Sie keinen
anderen Weg mehr für sich sahen. Mit dem Hilferuf der Schaeffler-Gruppe,
die wegen der "Gier frisst Hirn Zockerei" in Not geraten
ist und anderen Horror-meldungen werden wir derzeit überhäuft.
Leider häufen sich aber auch negative Schlagzeilen zum Thema
Schifffahrt und Schiffsbeteiligungen, die natürlich auch
unter der Krise leiden.
Trotzdem unterliegt die Schifffahrt eigenen Markt- und
Sachzwängen in ihrer Entwicklung, die dazu führen können,
dass sie sich schneller erholen könnte als andere Wirtschaftszweige.
Natürlich lässt sich ad hoc nichts an dieser Situation
ändern, aber die Art und Weise, wie einerseits der Journalismus
und andererseits die Banken mit der Finanzkrise im Zusammenhang
mit der Schifffahrt umgehen ist schon einzigartig!
Fangen wir mal mit dem Journalismus an! Es ist schon absolut
"uncool", wenn man verfolgt in welcher Art und Weise
sich Journalisten darum bemühen, die Branche tot zu schreiben.
Aktuelles Beispiel ist die Insolvenz von drei Einschiffsgesellschaften
zweier Emissionshäuser, bei deren Namensnennung Kenner der
Branche nur ein müdes Achselzucken übrig hatten. Fundierte
Recherchen in der "Schiffsszene" hätten eigentlich
zu einer vernünftigen Berichterstattung führen sollen.
Da aber im Journalismus der Grundssatz gilt: "Only bad news
are good news" wird der Schirm der Insolvenz erst mal zügig
über der gesamten Branche ausgebreitet. Schenkt man den Journalisten
Glauben, die in Horrorszenarien über den Niedergang der Schifffahrt
schreiben, dann gibt es eigentlich nur noch zwei Ereignisse, die
uns nachhaltig retten können.
Entweder wir kriegen ein "Armageddon", wie in
einem US-amerikanischen Katastrophenfilm gleichen Namens aus dem
Jahr 1998, in dem eine Gruppe Bohrspezialisten die Vernichtung
der Menschheit durch einen aus dem All heranrasenden Meteoriten
abwenden muss. Die Bewältigung dieses Problems sollte dann
aber aus katastrophentechnischen Gesichtpunkten, die die Journalisten
und Schwarzmaler zur Zeit befürworten, besser nicht gelingen,
damit sie recht behalten in Bezug auf die Krise in der Schifffahrt
und deren Nachhaltigkeit auf Jahre hinaus!
Die zweite Alternative wäre ein "Independence
Day", wie in einem Film gleichen Namens aus dem Jahr 1996.
Bei diesem Film handelt es sich um einen Angriff Außerirdischer
auf die Erde und dessen Abwehr durch die Menschen. Aus den gleichen
Gründen sollte auch dies dann nicht
Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn zeitgleich
beide Ereignisse eintreten würden und zwar eines auf der
Nordhalbkugel und das andere auf der Südhalbkugel. Die Journalisten
und andere Schwarzmaler wären glücklich und zufrieden,
hätten sie doch recht behalten und mit ihren mahnenden, schwarz
malenden Artikeln den richtigen Tenor gefunden und wir Normalbürger
und Kenner der Szene hätten endlich Ruhe vor der Weltuntergangsstimmung,
die diese Journalisten verbreiten.
Das Einzige, was momentan wirklich stört im Bereich
der Schifffahrt sind die Banken. Hätten die nicht ihre Risikoprobleme,
dann würden viele Dinge wesentlich besser funktionieren.
Viele Banken haben sich mit Geschäftsbereichen auseinander
gesetzt, die eigentlich mehr dem Bereich "Spielhölle"
zuzuordnen sind, als dem Bereich sicherer Kapitalanlagen. An den
Folgen dieser Eskapaden haben die Banken sehr schwer zu schlucken
haben. Die dort, in den Spielhöllen des Finanzsektors, eingegangenen
Risiken haben die Banken derart geschockt, das derzeit keinerlei
Bereitschaft besteht, überhaupt irgendein Geschäft zu
finanzieren, weil es ja ein Risiko darstellen könnte.
Eines der Hauptgeschäftsfelder der Banken ist in
der Vergangenheit das Kreditgeschäft und das Warenfinanzierungsgeschäft
in Form von Akkreditiv-gestellungen gewesen. Trotz staatlicher
Hilfe, zeigen sich die Banken risikoavers in der Finanzierung
von Schiffsneubauten und , viel schlimmer noch, in der Finanzierung
von Warenkontrakten.
Durch die Verweigerung von Akkreditivfinanzierungen im
Bereich der Rohstoffmärkte ist es jetzt, Mitte Februar 2009,
zu einem Abbau der Rohstoffbestände in China gekommen, so
dass nur noch ein Bestand vorhanden ist, der dem Bedarf von weniger
als 30 Tagen entspricht. Wenn seitens der Banken hier nicht umgehend
ein Umdenkungsprozess in der Risikopolitik stattfindet und der
Rohstoffhandel keine bankseitige Belebung erfährt, kann das
im Gesamtgefüge des Rohstoffhandels zu erheblichen Konsequenzen
führen. Importabhängige Staaten wären gezwungen
Staatsgarantien zu geben, damit der Rohstoffimport gewährleistet
ist. Damit würden sich die Banken mit ihrem "kranken"
Verhalten selbst ad absurdum führen, wo eine Strategie des
"back to the roots" dringend angesagt wäre.
Die Eigendynamik, mit der sich die Schifffahrt in der
Vergangenheit immer wieder am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen
hat, könnte auch dieses mal wieder greifen. Dies zeigen Erfahrungswerte
aus vergangenen Schifffahrtskrisen. Der Klassiker ist in den Bemühungen
von Charterern zu sehen, auf dem gegenwärtigen Charterniveau
möglichst langfristige Charterverträge mit Verlängerungsoptionen
abzuschließen. Dabei liegt die Rate für den Optionszeitraum
in der Regel über der Rate des Charterzeitraumes. Natürlich
können Kritiker entgegenhalten, dass die Optionen nicht ausgeübt
werden müssen, aber die Erfahrungswerte der Vergangenheit
weisen genau dieses Verhaltensmuster der Charterer auf. Dieses
Verhaltensmuster war schon in den letzten Krisen der Schifffahrt
zu beobachten.
Geschichte wiederholt sich und wir stehen vor einem solchen
Wendepunkt der Marktentwicklung. Erste Seitwärtsbewegungen
im Verfall der Charterraten sind erkennbar und sicherlich darf
man auf die Entwicklung des Chartermarktes im Verlauf des Jahres
2009 gespannt sein. In der Vergangenheit lag der Wendepunkt in
der Nachfrage nach Transporttonnage ca. sechs bis acht Wochen
nach Chinese New Year. Dieses Jahr lag das Chinesische Neujahrsfest
am Anfang des Monats Februar.
Impulsgeber für eine Trendwende im Chartermarkt für
Containerschiffe ist nicht zu letzt die Finanzkrise. Durch die
Versagung von Krediten für Neubauprojekte im Bereich der
Containerschifffahrt kam es zu zahlreichen Stornierungen von Bauaufträgen
und Optionen auf Schiffbauplätze. Seitens der Werftindustrie
entstanden durch die Finanzkrise Probleme, dass Refundmentgarantien
- Garantien, die dem Besteller eines Neubauschiffes die Sicherheit
seines gezahlten Geldes und somit die Fertigstellung des Neubaus
garantieren - nicht gegeben werden konnten, was ebenfalls Stornierungen
von Neubauten zur Folge hatte. Nicht zu letzt sind noch die im
Aufbau befindlichen Werften zu nennen, die bereits viele Bauverträge
abge-schlossen hatten, die aber auf Grund der Finanzierungssituation
nicht weiter gebaut werden.
Die Folge dieser Situation ist eine deutlich reduzierte
Zahl von Neubauablieferungen und ein Trend zur Stabilisierung
des Marktes. Zeitgleich hat eine andere Entwicklung im Bereich
der Schifffahrt einen positiven Einfluss auf dieses Marktgeschehen.
Die deutlich gestiegenen Schiffsbetriebskosten, hier insbesondere
die Treibstoffkosten, machen den wirtschaftlichen Betrieb alter
Tonnage unrentabel. Eine Erhöhung der Abwrackquoten ist die
Folge und damit wird weitere Tonnage aus dem Markt genommen. Wann
eine echte Stabilisierung und Verbesserung des Marktes eintreten
wird, lässt sich nur schwer vorher sagen, weil sich diese
Faktoren erst langsam auswirken werden.
Diese Situation betrifft natürlich nicht nur die
Containerschifffahrt, sondern alle übrigen Schifffahrtsbereiche
gleichermaßen. Als stabiler Markt zeichnet sich der Bereich
der Tankschifffahrt aus, hier insbesondere die Produktentanker.
Die Ratenentwicklung im Spotmarkt ist sehr fest und die Erwartung
für die Jahre bis 2011 ist sehr positiv. Der Bereich der
Massengüter mit Bulkcarriern ist momentan noch sehr angeschlagen,
aber bei der Verknappung von Rohstoffen bei den Importländern,
die auf diese Rohstoffe angewiesen sind, ist es nur noch eine
Frage der Zeit, wann sich dieser Markt wieder in Positive umkehren
wird. Erste Charterabschlüsse im Bereich der Bulkcarrier
zeigen einen deutlichen Trend nach oben.
Fazit: Natürlich gibt es ein Leben nach
der Krise, man muss es nur sehen!
Selbstmord zu begehen, weil man Angst vor dem Tod hat,
wäre eigentlich die logische Konsequenz aus der Berichterstattung
der Schwarzmaler unter den Journalisten, unterstützt durch
die Kreditpolitik der Banken! Als bekennender Optimist habe ich
den Schifffahrtsmarkt über 20 Jahre begleitet und einige
Höhen und Tiefen erlebt! Da mir als Optimist - Gott sei Dank
- solche Gedankengänge fern sind und ich an die Mechanismen
des Marktes Glaube, bin ich von der Erholung der Märkte überzeugt!
Und Sie sollten entspannt sein, auch wenn noch ein paar Horrormeldungen
kommen!